Die Ankündigung der Geburt Jesu

Mmmm…. wie es hier wieder duftet! Mmmm…. nach Bohnen und Lammfleisch…
und..mmm…nach Kuchenkrümeln…mmmm…mein Tisch ist ja wieder einmal reich gedeckt! Gesegnet sei der Tag, an dem ich durch dieses Fenster geflogen bin!

Hey, was macht ihr denn hier. Nur dass ihr es wisst, das hier ist mein Revier. Das sind meine Jagdgründe. Ist das klar!
Ich sag´s euch, das hier, ist das beste Haus in ganz Nazareth. Maria ist eine begnadete Köchin und sie hat ein großes Herz.
Oh, vielleicht sollte ich mich mal vorstellen. Ich bin Musca, eine Stubenfliege. Oder besser, ich bin Musca, die Stubenfliege. Die Stubenfliege, die dabei war als….

Nein, langsam. Ich fange besser ganz von vorne an.
Vor ein paar Tagen, bin ich also durch das Fenster in Marias Küche geflogen. Von der Straße, auf der es vor allem Eselskacke zu riechen gab, direkt ins Schlaraffenland. Eselskacke war einmal. Jetzt schlemme ich in Brotkrumen, leckerem Gemüseeintopf, Lammragout und Kuchen. Und niemand scheucht mich weg. Ja, Maria hat eben ein großes Herz. Da ist sogar noch für eine Stubenfliege Platz. Für die Stubenfliege, die dabei war als…

Und jetzt passt auf. Vor zwei Tagen – ich bin gerade dabei vorsichtig in den Topf mit Lammragout zu krabbeln, den Maria auf den Tisch gestellt hat, da höre ich plötzlich eine Stimme. „Maria!“
Dddda stand jemand mitten in der Küche. Mit Flügeln, größer als meine. Mir war gleich klar, eine Stubenfliege ist das nicht! Glaubt mir vor Schreck wäre ich beinah im Lammragout gelandet, so sehr haben meine Fliegenbeine gezittert.

„Fürchte dich nicht, Maria!“

Na, der hat gut reden. Taucht hier ganz plötzlich ohne Vorwarnung in Marias Haus auf und will dann auch noch, dass wir ganz ruhig bleiben. Sag mal auf welchem Stern lebst du eigentlich – hätte ich am liebsten gesummt. Ging aber nicht. Mir hatte die Angst die Sprache verschlagen.

Und Maria? Beinah wäre der Topf mit den Bohnen auf dem Fußboden gelandet, so sehr erschrak sie zunächst. Aber dann – Kkkeine Angst, kein bisschen mehr! Ganz ruhig stand sie da, den Topf mit den Bohnen in der Hand, und hörte zu!

„Du sollst Gottes Sohn zur Welt bringen und ihn Jesus nennen!“

Das haut mich um. Wer ist Gott? Und hab ich richtig gehört? Maria soll Gottes Sohn zur Welt bringen? Aaaaber, die ist doch mit Josef verlobt. Hey, weißt du das nicht! Hätte ich gerne gesagt, aber die Angst hatte mit ja leider die Sprache verschlagen!

Und Maria?
„Ich vertraue Gott. Er meint es gut mit mir. Es soll alles so geschehen, wie du gesagt hast.“

Hallo, Maria, hörst du mich? Das kannst du doch nicht machen! Was wird Josef dazu sagen? Und wer ist dieser Gott?
Wenn Maria ihm vertraut und keine Angst hat, dann muss er etwas ganz Besonderes sein. Ich muss unbedingt herausfinden, was es mit Gott auf sich hat. Und wie das mit Maria und Josef weitergeht.

Aber zuerst, ….mmmm… riecht das lecker,….zuerst werde ich noch ein winziges Bröckchen Lammragout genießen.

Heike Nied